Im Rahmen eines Online-Meetups der New Work Community des zedita.zukunftsforums durften wir kürzlich einen besonderen Impuls erleben: Dr. Hans Rusinek nahm uns mit auf eine gedankliche Reise – weg von der klassischen Sicht auf Arbeit, hin zu einem deutlich umfassenderen Verständnis davon, was Arbeit heute (und künftig) eigentlich bedeutet.
Seine zentrale Botschaft:
Wir denken Arbeit zu eng. Und genau darin liegt eines der größten Probleme unserer Arbeitswelt.
Arbeit ist mehr als Lohnarbeit
Wenn wir über Arbeit sprechen, meinen wir meist unseren Job – also das, wofür wir bezahlt werden. Doch dieser Blick greift zu kurz. Arbeit ist mehr als Erwerbstätigkeit. Sie ist eingebettet in ein Geflecht aus unterschiedlichen Tätigkeiten, die unser Leben strukturieren und tragen.
Rusinek greift hier das „Vier-in-eins-Modell“ von Frigga Haug auf und unterscheidet zwischen Lohnarbeit, Care-Arbeit, gesellschaftlicher Arbeit und Selbstarbeit.
Diese Unterscheidung wirkt zunächst theoretisch, hat aber eine sehr praktische Konsequenz: Wenn Organisationen ausschließlich die Lohnarbeit optimieren, blenden sie zentrale Voraussetzungen für Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit aus. Denn wer dauerhaft leisten soll, braucht auch Räume für Fürsorge, gesellschaftliches Engagement und persönliche Entwicklung.
👉 New Work bedeutet daher auch, Arbeit wieder ganzheitlich zu denken – nicht nur ökonomisch, sondern menschlich.
Der Mythos: „Sinn findet man im Job“
Ein Gedanke aus dem Impuls bleibt besonders hängen:
Die Vorstellung, dass der Job der zentrale Ort für Sinn sein muss, ist nicht nur überhöht – sie kann sogar problematisch sein.
In vielen New-Work-Debatten wird Arbeit mit Selbstverwirklichung gleichgesetzt. Doch diese Erwartung erzeugt Druck – sowohl auf Seiten der Mitarbeitenden als auch auf Seiten der Organisationen. Rusinek plädiert deshalb für eine Entkopplung: Sinn darf verteilt sein.
Er kann im Beruf liegen, aber genauso im Ehrenamt, in privaten Projekten oder im sozialen Umfeld.
Diese Perspektive entlastet – und eröffnet neue Freiheiten. Arbeit wird dadurch nicht weniger wichtig, aber realistischer eingeordnet: als bedeutender Teil des Lebens, nicht als dessen alleiniger Sinnstifter.
New Work braucht Konflikt – nicht (nur) Harmonie
Ein weiterer spannender Punkt betrifft den Umgang mit Unterschiedlichkeit. In vielen Organisationen wird Harmonie als Idealbild angestrebt. Doch wo Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenarbeiten, entsteht zwangsläufig Reibung.
Und genau diese Reibung ist wertvoll.
Konflikte sind kein Zeichen von Scheitern, sondern eine Voraussetzung für Innovation und Entwicklung. Entscheidend ist vielmehr, wie wir mit ihnen umgehen. Rusinek betont hier die Bedeutung von Rollen: Wer Konflikte auf der Sachebene und in klaren Rollen austrägt, schafft Distanz zur Person – und damit die Grundlage für produktive Auseinandersetzungen.
👉 New Work heißt also nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern besser mit ihnen umgehen zu können.
Wenn Arbeit zur Bühne wird
Besonders greifbar wurde der Impuls bei der Beschreibung moderner Wissensarbeit. Viele von uns kennen das Gefühl, dass Arbeit nicht nur aus inhaltlicher Tätigkeit besteht, sondern auch aus Darstellung.
E-Mails, Meetings und Chatnachrichten erfüllen oft mehr als nur einen funktionalen Zweck. Sie werden zur Bühne für Sichtbarkeit, Präsenz und Selbstinszenierung.
Das Problem: Ein erheblicher Teil der Energie fließt dadurch nicht in echte Wertschöpfung, sondern in „Darstellungsarbeit“. Die Folge sind Fragmentierung, Ablenkung und nicht selten Erschöpfung.
Die Herausforderung für Organisationen besteht daher darin, Kommunikation bewusster zu gestalten: weniger, klarer, zielgerichteter.
Der unterschätzte Faktor: der Körper
Ein fast stiller, aber sehr kraftvoller Gedanke des Impulses betrifft den Körper. In der Wissensarbeit behandeln wir uns oft wie reine Denkmaschinen – als würden Leistung und Produktivität ausschließlich im Kopf entstehen.
Doch das ist ein Trugschluss.
Konzentration, Kreativität und Energie sind eng mit körperlichen Zuständen verbunden. Wer dauerhaft leistungsfähig sein will, muss auch Regeneration, Bewegung und Pausen ernst nehmen. New Work bedeutet daher auch, den Menschen wieder als Ganzes zu betrachten – nicht nur als „Ressource“, sondern als lebendiges System.
Was bedeutet das für Organisationen?
Aus dem Impuls lassen sich einige zentrale Implikationen ableiten:
- Arbeit ganzheitlich denken – über den Job hinaus
- Sinn entlasten – nicht jede Rolle muss Selbstverwirklichung bieten
- Konfliktfähigkeit stärken – Reibung als Ressource begreifen
- Kommunikation entschlacken – Fokus statt Dauerpräsenz
- Selbstarbeit ermöglichen – Regeneration als Teil von Leistung verstehen
Diese Punkte zeigen: Es geht nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um ein anderes Verständnis von Arbeit.
Fazit: New Work ist ein Perspektivwechsel
Der Impuls von Hans Rusinek macht deutlich: New Work ist keine Sammlung von Methoden, Tools oder Benefits. Es geht nicht primär um Homeoffice, Obstkörbe oder agile Frameworks.
Es geht um einen Perspektivwechsel.
Ein Wechsel…
- von Job zu Arbeit
- von Funktion zu Mensch
- von Effizienz zu Balance
- von Individualisierung zu gesellschaftlicher Verantwortung
👉 New Work bedeutet letztlich, Arbeit wieder in das Leben zu integrieren – statt das Leben in die Arbeit zu pressen.
Wenn du Teil unserer Community werden möchtest oder beim nächsten Meetup dabei sein willst:
👉 Schau auf unserer Plattform vorbei und bring deine Perspektive ein.
Hier findest du auch die Aufzeichnung vom virtuellen Impuls von Hans:










