zufo.Datenkompetenz: Wie zieht man eigentlich eine Stichprobe?

Zukunftsforum
Lesedauer: 3 Minuten

Die Konzeption von Befragungen ist ein Thema, dass einige in der Datenkompetenz Community umtreibt. Unser erstes Online-Meetup zum Thema hat bereits stattgefunden und es war eine Mischung aus theoretischem Input, Klärung eurer Fragen und ein reger Erfahrungsaustausch. Wir haben festgestellt, dass am Anfang jeder Befragung folgende Fragen stehen: Wer soll eigentlich befragt werden? Wie erreiche ich die Menschen? Und sind meine Ergebnisse auch repräsentativ? In diesem Blogbeitrag möchte ich euch einen Überblick über relevante Stichprobenarten geben.

Die Ziehung einer repräsentativen Stichprobe ist wichtig, kann aber eine große Herausforderung darstellen. Eine Stichprobe sollte die Zielpopulation (auch Grundgesamtheit genannt) so genau wie möglich widerspiegeln, um valide und verallgemeinerbare Ergebnisse zu erhalten. Schließlich wollen wir nicht nur etwas über die befragten Personen (Probanden) erfahren, sondern die Erkenntnisse auf unsere Zielgruppe verallgemeinern. Es gibt verschiedene Methoden, um Stichproben zu ziehen, von denen jede ihre eigenen Vor- und Nachteile hat. In diesem Blogbeitrag betrachten wir vier gängige Stichprobenarten: die einfache Zufallsstichprobe, die Quotenstichprobe, die Klumpenstichprobe und die Ad-hoc Stichprobe. Jede Methode wird anhand eines Beispiels erläutert.

Die einfache Zufallsstichprobe – der Goldstandard

Bei einer einfachen Zufallsstichprobe (Simple Random Sampling) wird jedes Mitglied der Zielpopulation mit der gleichen Wahrscheinlichkeit ausgewählt. Es gibt also keine Merkmale oder Eigenschaften einer Person, die die Aufnahme in die Stichprobe beeinflussen. Einfache Zufallsstichproben sind repräsentativ. Ein klassisches Beispiel ist das Ziehen von Losen. Eine einfache Zufallsstichprobe ist erreicht, wenn jedes Mitglied der Stichprobe genau ein Los im Topf hat. Nimmt jede gezogene Person an der Befragung teil, sind die Ergebnisse repräsentativ. Nun gibt es immer Personen, die nicht erreicht werden können oder die Teilnahme verweigern. In welchen Fällen dann die Repräsentativität gefährdet ist, schauen wir uns im nächsten Blogbeitrag an.

Die Quotenstichprobe – die solide Alternative

Bei der Quotenstichprobe (Quota Sampling oder auch geschichtete Zufallsstichprobe) werden relevante Merkmale festgelegt, in denen die Stichprobe der Zielpopulation entsprechen soll. Die Ziehung der Stichprobe erfolgt – soweit möglich – zufällig, bis alle Quoten erfüllt sind und die Stichprobe in den relevanten Merkmalen die gleiche Verteilung aufweist, wie die Grundgesamtheit. Schauen wir uns folgendes Beispiel an: Ein Modeunternehmen möchte eine Umfrage zur Zufriedenheit seiner Produkte durchführen und dabei sicherstellen, dass verschiedene Altersgruppen gleichmäßig vertreten sind. Sie legen Quoten für verschiedene Altersgruppen fest (z.B. 18-29 Jahre, 30-49 Jahre, 50-69 Jahre) und stellen sicher, dass jede Gruppe in der Stichprobe proportional vertreten ist.

Die Klumpenstichprobe – wenn die Probanden in Gruppen leichter zu erreichen sind

Bei der Klumpenstichprobe (Cluster Sampling) wird die Zielpopulation in Gruppen (Klumpen) unterteilt, von denen einige zufällig ausgewählt werden.  Alle Mitglieder der ausgewählten Klumpen werden dann befragt. Möchte beispielsweise ein Bildungsforschungsinstitut die Meinung von Schülern in einer bestimmten Region zu einem neuen Lehrplan erfassen, können sie die Region in verschiedene Schulbezirke (Klumpen) aufteilen und zufällig fünf Schulbezirke auswählen. Alle Schüler in diesen fünf Bezirken werden zur Teilnahme an der Umfrage eingeladen. Diese Methode ist effizient, kann aber zu Verzerrungen führen, wenn die ausgewählten Klumpen nicht repräsentativ für die gesamte Population sind.

Ad-hoc Stichprobe – wenn es schnell gehen muss

Die Ad-hoc Stichprobe, auch als Gelegenheitsstichprobe bekannt, ist eine nicht-probabilistische Methode, bei der die Teilnehmer aufgrund ihrer leichten Zugänglichkeit ausgewählt werden. Nicht-probabilistisch bedeutet, dass eine willkürliche Auswahl der Probanden erfolgt, die nicht den Prinzipien der einer reinen Zufallsauswahl genügt. Ein klassisches Beispiel ist die Befragung in der Fußgängerzone. Aber auch bei Online-Befragungen können einfach Ad-hoc Stichproben gezogen werden. Möchte beispielsweise ein Unternehmen die Zufriedenheit seiner Kunden messen, so kann es einen Umfragelink auf seiner Homepage platzieren. Diese Methode ist schnell und kostengünstig, birgt jedoch das Risiko, dass die Stichprobe nicht repräsentativ für die gesamte Kundenbasis ist, da nur Kunden berücksichtig werden, die auch die Homepage besuchen.

Wovon hängt die Stichprobenwahl noch ab?

Die Art der Stichprobe ist oft auch dadurch determiniert, wie ich meine Zielpopulation erreichen kann. Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme habe ich? Welches Befragungsart erhöht die Erreichbarkeit und Teilnahmewahrscheinlichkeit meiner Zielpopulation? Kann ich sie beispielsweise eher telefonisch, per Brief oder mit einer Online-Befragung erreichen? Welche Kontaktdaten liegen mir vor oder sind ermittelbar? Nicht selten liegt ein Zielkonflikt zwischen Repräsentativität der Stichprobe und finanziellem, sowie zeitlichem Aufwand vor.

Die Wahl der geeigneten Stichprobenart hängt also von den Zielen der Umfrage, den verfügbaren Ressourcen und der Zielpopulation ab. Während die einfache Zufallsstichprobe oft als Goldstandard gilt, bieten auch die Ad-hoc Stichprobe, die Klumpenstichprobe und die Quotenstichprobe wertvolle Ansätze, insbesondere wenn Zeit und Budget begrenzt sind. Wichtig ist, die Vor- und Nachteile jeder Methode abzuwägen und die Methode zu wählen, die am besten zu den spezifischen Anforderungen der Befragung passt.

Eure Carina